Eine Führung rund ums Neue Rathaus in München


Das Neue Rathaus – eine Führung mit Ludwig & Lola


Das Neue Rathaus im Überblick

Aufgrund Raumnot im Alten Rathaus und Kleinen Rathaus am Petersbergl und enormen Bevölkerungswachstum wird ein Neubau beschlossen. Nach Ablehnung von Zenettis Entwurf im Renaissance-Stil im Spätsommer 1865, Architektur-Wettbewerb auf Initiative von Ferdinand von Miller. 29 Architekten aus deutschsprachigem Raum und Paris beteiligen sich. Jury kann sich allerdings nur auf zweiten und dritten Preis einigen. Daraufhin Einrichtung einer Kommission, die fünf weitere Pläne ankaufen soll. Darunter auch der des jungen Wiener Studenten Georg Hauberrisser. Wieder unbefriedigt soll Zenetti aus den Plänen einen Entwurf kreieren. Während Zerwürfnissen in der Kommission über Stilfrage, bringt sich der hartnäckige Hauberrisser wieder ins Spiel und wird dabei von Miller, der sich einen „deutschen“ – gotischen – Entwurf wünscht, unterstützt. Nach mehreren Ablehnungen und Modifizierung seiner neogotischen Formen kann er am Ende 1866 den Magistrat überzeugen.

1. Bauabschnitt ("Altbau")

Abbruch der Ratstrinkstube (siehe Ratskeller) und der Landschaftshäuser (Bayerische Landstände), 1867 Baubeginn.

Arbeiten geraten immer mehr in Verzug, zudem wird Bau teurer als geplant, Hauberrisser muss seine Pläne drastisch vereinfachen.

1870 Einzug der Hauptwache, 1874 Bezug der Diensträume, Eröffnung des Ratskellers, 1883 im Wesentlichen vollendet. Stolz darüber, dass nahezu nur Münchner Handwerker daran gearbeitet haben. Allerdings Überschreitung der geplanten Baukosten um mehr als das 10-fache auf 2,7 Mio. Mark.

2. Bauabschnitt (Erweiterungen)

Bereits 1875 Gedanken über Erweiterungsbau. Ab 1887 Aufkauf der benachbarten Anwesen (auch schon an Weinstraße). Zwischen 1888-1893 Bauten an Ecke Diener-/Landschaftsstraße.

3. Bauabschnitt ("Neubau")

1898-1908 wurde der Altbau zu einem vierseitigen Komplex erweitert. 1905 Schlussstein auf 85m hohen Rathausturm. 1906 Bezug der Amtsräume.

Zweiter Weltkrieg

Zwischen 1942 und 1945 alle Dachbereiche fast komplett ausgebrannt, viele Fassadenteile zerstört, innen teilweise völlig ausgebrannt. Sitz Amerikanische Militärregierung in intakt gebliebenen Trakt an Weinstraße. Glockenspiel auf Wunsch der Amerikaner bald wieder in Stand gesetzt, erklingt wieder 14. September 1945.

Ab 1946 Wiederaufbau, 1952 wieder Stadtratssitzungen.

Glockenspiel

Das auch manuell bespielbare Glockenspiel im „Spielwerkserker“ ist mit 43 Glocken das fünftgrößte Europas und wird von 6 Walzen mit je 4 Melodien (im monatlichen Wechsel) angesteuert, z.B. „Schäfflertanz“, „Muss i denn zum Städtele hinaus“, „Loreley“, „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ oder „Oh Tannenbaum“.

Es zeigt täglich um 11:00 und 12:00 sowie von März bis Oktober um 17:00 Uhr zwei Szenen gezeigt: das Ritterturnier „Kröndlstechen“ während der feudalen Hochzeit von Wilhelm V. mit Renata von Lothringen und die nach überstandener Pest tanzenden Schäffler.

Täglich um 21:00 Uhr Szene mit hornblasendem Nachtwächter und Münchner Kindl segnenden Engel, Melodien sind Wagners Nachtwächterruf und Brahms Wiegenlied („Guten Abend, gut' Nacht“).

Monachia

Allegorie der „Monachia“, zentral im 17 x 6m großen Wandgemälde im großen Sitzungssaal, als Personifikation der Stadt. Sie wird von 128 damals für bedeutend gehaltenen Personen der Stadtgeschichte umringt, während die Ex-Regenten des Hauses Wittelsbach als leblose Standbilder im Hintergrund bleiben.

Im Gegensatz dazu im kleinen Sitzungssaal Fresko „Aufblühen Münchens unter König Ludwig I. in Kunst und Wissenschaft“.

Die Juristische Bibliothek

Reich geschmückter, neugotischer Bibliothekssaal ursprünglich für die Juristische Bibliothek des Rates errichtet, bis heute eine öffentlich nutzbare juristische Fachbibliothek unter Verwaltung der Münchner Stadtbibliothek.


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